Viele Unternehmen wissen nicht, wie viele Menschen ihre Website besuchen – oder sie haben Google Analytics eingebunden, schauen aber nie hinein, weil der Cookie-Banner die Hälfte der Daten verschluckt und die Oberfläche überfordert. Dabei lässt sich mit wenig Aufwand messen, was wirklich zählt: Woher kommen Besucher, welche Seiten lesen sie, und wie viele davon nehmen Kontakt auf? Dieser Beitrag vergleicht die gängigen Werkzeuge und zeigt, wie eine datenschutzfreundliche Einrichtung aussieht.
KURZ GESAGT
Für die meisten Unternehmenswebsites reicht ein schlankes Werkzeug wie Umami, Plausible oder Matomo ohne Cookies. Google Analytics liefert mehr Funktionen, braucht aber immer eine Einwilligung und mehr Datenschutzaufwand. Entscheidend ist ohnehin nicht die Besucherzahl, sondern wie viele Besucher anfragen.
Warum Web-Analytics für Unternehmen wichtig ist
Ohne Zahlen bleibt jede Entscheidung über die Website ein Bauchgefühl: Lohnt sich der neue Blogartikel? Kommen Besucher über Google oder über das Google-Unternehmensprofil? Brechen viele auf der Preisseite ab? Web-Analytics beantwortet solche Fragen – vorausgesetzt, man misst die richtigen Dinge.
Für eine Unternehmenswebsite sind das selten Hunderte Kennzahlen. Meist reichen eine Handvoll: Besucher, Herkunft, meistgelesene Seiten und vor allem die Zahl der Anfragen. Alles andere ist nett anzusehen, ändert aber selten eine Entscheidung.
Die Werkzeuge im Vergleich
Die folgende Übersicht zeigt die vier gängigsten Werkzeuge. Alle können Seitenaufrufe, Herkunft und eigene Ereignisse wie Formular-Absendungen messen; sie unterscheiden sich vor allem bei Datenschutz, Funktionsumfang und Betrieb.
| Werkzeug | Cookies | Betrieb | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Umami | keine | Cloud mit EU-Datenregion oder selbst gehostet (Open Source) | Schlanke Analyse für Unternehmenswebsites, einfache Oberfläche |
| Plausible | keine | Cloud mit Servern in der EU oder selbst gehostet (Open Source) | Wie Umami, mit fertigen Berichten für Kampagnen und Ziele |
| Matomo | optional, auch ohne Cookies nutzbar | Cloud oder selbst gehostet (Open Source) | Umfangreiche Analyse, nah an Google Analytics, volle Datenhoheit |
| Google Analytics 4 | ja | nur Cloud bei Google | Große Websites, Werbekampagnen mit Google Ads, tiefe Auswertungen |
Was Sie messen sollten: Anfragen statt Seitenaufrufe
Die wichtigste Zahl einer Unternehmenswebsite ist nicht die Besucherzahl, sondern die Zahl der Anfragen. Dafür werden Ereignisse eingerichtet, also Aktionen, die Besucher ausführen. Auf dieser Website messe ich zum Beispiel, wenn jemand das Kontaktformular abschickt, auf die Telefonnummer oder WhatsApp tippt oder ein Preispaket anfragt – und von welcher Seite aus das passiert.
- Anfragen: Formular abgeschickt, Anruf oder WhatsApp angetippt, E-Mail-Link geklickt
- Herkunft: Google-Suche, Google-Unternehmensprofil, Empfehlungen, Social Media
- Seiten mit den meisten Anfragen – nicht nur die mit den meisten Besuchern
- Kampagnen über UTM-Parameter, zum Beispiel für Links aus Google-Beiträgen oder Newslettern
Web-Analytics und Google Search Console ergänzen sich
Web-Analytics zeigt, was Besucher auf Ihrer Website tun. Was davor passiert, also für welche Suchbegriffe Ihre Seiten bei Google erscheinen und wie oft sie angeklickt werden, zeigt die kostenlose Google Search Console. Sie setzt keine Cookies auf Ihrer Website und gehört zu jeder Unternehmenswebsite dazu.
Zusammen ergibt sich das vollständige Bild: Search Console für Sichtbarkeit und Klicks, Web-Analytics für das Verhalten auf der Seite und die Anfragen. Wer beides einmal im Monat ansieht, erkennt früh, welche Inhalte funktionieren und wo nachgebessert werden sollte.
So richte ich Web-Analytics ein
Bei Websites, die ich entwickle, ist die Einrichtung ein überschaubarer Schritt: Werkzeug auswählen, Skript datenschutzfreundlich einbinden, die wichtigen Ereignisse festlegen und die Datenschutzerklärung anpassen. Bestehende Websites lassen sich nachrüsten, auch wenn sie nicht von mir stammen.
Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen empfehle ich Umami oder Plausible: schnell eingerichtet, ohne Cookies und mit einer Oberfläche, die man ohne Schulung versteht. Matomo lohnt sich, wenn die Daten auf eigenen Servern bleiben sollen oder umfangreichere Auswertungen gebraucht werden. Google Analytics ist vor allem dann sinnvoll, wenn Sie Google Ads schalten und Kampagnen eng damit verknüpfen wollen.
Fazit
Gute Web-Analytics muss weder kompliziert noch datenschutzrechtlich heikel sein. Ein schlankes Werkzeug ohne Cookies, eine Handvoll sauber eingerichteter Ereignisse und ein monatlicher Blick in die Zahlen reichen, um die Website gezielt zu verbessern – und um zu sehen, welche Seiten tatsächlich Kunden bringen.
Häufige Fragen
- Brauche ich für Umami oder Plausible einen Cookie-Banner?
- Umami und Plausible setzen keine Cookies. Ob sie deshalb ganz ohne Einwilligung genutzt werden dürfen, ist rechtlich nicht abschließend geklärt. Die vorsichtige Variante ist, sie wie auf dieser Website erst nach Einwilligung zu laden; im Zweifel sollten Sie das mit Ihrem Datenschutzbeauftragten abstimmen.
- Ist Google Analytics in Deutschland erlaubt?
- Ja, aber nur mit vorheriger Einwilligung der Besucher, einem Auftragsverarbeitungsvertrag mit Google und einer passenden Datenschutzerklärung. Weil Daten an Google übertragen werden, ist der Aufwand höher als bei europäischen oder selbst gehosteten Alternativen.
- Was ist der Unterschied zwischen Matomo und Umami?
- Beide sind Open Source und können selbst gehostet werden. Matomo bietet deutlich mehr Funktionen und Berichte, ähnlich wie Google Analytics. Umami ist bewusst schlank: wenige, klare Kennzahlen und eigene Ereignisse, dafür schnell eingerichtet und leicht verständlich.
- Kann ich messen, wie viele Anfragen über die Website kommen?
- Ja. Dafür werden Ereignisse eingerichtet, zum Beispiel für das Absenden des Kontaktformulars oder das Antippen von Telefonnummer und WhatsApp. So sehen Sie, wie viele Besucher anfragen und von welcher Seite aus.
- Kann Web-Analytics auch in eine bestehende Website eingebaut werden?
- Ja. Das Skript lässt sich in nahezu jede Website einbinden, auch in WordPress oder Baukastenseiten. Für eigene Ereignisse wie Formular-Absendungen sind kleine Anpassungen am Code oder im Baukasten nötig.
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Über den Autor
Freelance-Softwareentwickler · Aachen
Ich entwickle seit über 12 Jahren individuelle Software, KI-Lösungen und Webanwendungen für Unternehmen aus Aachen und der Region. Als Freelancer Softwareentwickler übernehme ich vollständige Projekte oder unterstütze bestehende Teams direkt in der Umsetzung.